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Blended Learning @ FB7

über den Tellerrand: Projekt „Grundlagen der Wissenschaftstheorie“ an der Uni Hamburg

17. November 2011 | von Administrator

Dr. Martin Hoffmann vom Philosophischen Seminar der Universität Hamburg war so freundlich, uns in einem Gastbeitrag von seinem Bleneded-Learning-Projekt “Grundlagen der Wissenschaftstheorie” zu berichten und uns damit ein weiteres Beispiel zu geben, wie E-Learning-Elemente in den gemeinhin so textlastigen Fächern sinnvollen Einsatz finden. Vielen Dank dafür!

Seit mehr als zehn Jahren werden die Einführungskurse in die Wissenschaftstheorie am Philosophischen Seminar der Universität Hamburg als Tutorialseminare durchgeführt. Neben der Plenums-veranstaltung werden in wöchentlichen Tutorien mit maximal fünfzehn Studierenden die von den Studierenden regelmäßig verfassten Essays diskutiert und somit der im Plenum behandelte Stoff vertieft. Bereits seit dem Sommersemester 2003 werden diese Kurse – federführend durch Herrn Prof. Ulrich Gähde initiiert – zunehmend durch E-Learning-Elemente unterstützt, sodass sich das Seminarangebot mittlerweile zu einem Blended-Learning-Konzept entwickelt hat.

Zunächst wurden die Lehrmaterialen, Folien und Texte digitalisiert und danach interaktive Selbsttests entwickelt. Die an der Universität Hamburg eingeführte Lernplattform OLAT bietet für die interaktive Gestaltung dieser Multiple-Choice-Selbsttests optimale Möglichkeiten. Im Wintersemester 2010/11 wurde von mir das Projekt „Grundlagen der Wissenschafts-theorie“ durchgeführt, das sich in diese Gesamtkonzeption einfügte. In diesem Projekt wurden primär zwei Ziele verfolgt: Erstens ging es mir darum, Studierenden des ersten Studienabschnitts den interdisziplinären Charakter der Wissenschaftstheorie in verständlicher Weise zu vermitteln und zweitens sollte die Kommunikation zwischen Tutorien und Plenum optimiert werden.

  1. “Philosophy of science is about as useful to scientists as ornithology is to birds.” – Dieses dem Physiker Richard Feynman (Nobelpreisträger 1965) zugeschriebene Zitat bringt eine Einschätzung der Wissenschaftstheorie zur Sprache, die viele Studienanfänger teilen. Einerseits ist die Wissenschaftstheorie eine abstrakte Disziplin, die in erheblicher Weise auf Methoden der Logik und der Sprachanalyse zurückgreift. Andererseits thematisiert die Wissenschaftstheorie inhaltliche Fragen und Probleme empirischer Einzelwissenschaften. Beides erschwert die Vermittlung des Lehrstoffs an Studienanfänger, denen häufig Vorwissen über das methodische Vorgehen in den Einzelwissenschaften fehlt. Ein Ausweichen auf populärwissenschaftliche Darstellungen ist meistens nicht zielführend, weil diese zu umfangreich und unzureichend auf die wissenschaftstheoretischen Problemstellungen abgestimmt sind. Deshalb wurden im Projekt für jede Seminarsitzung Kurztexte erarbeitet, in denen jeweils ein konkretes Fallbeispiel in geeigneter Weise aufbereitet wurde (Ist die Homöopathie eine Wissenschaft? Ist Geschichtsschreibung eine „wertfreie“ Wissenschaft?). Diese Texte wurden dann mit entsprechenden Arbeitsaufgaben kombiniert den Studierenden über OLAT zugänglich gemacht.
  2. Während die Kommunikation von der Plenumsveranstaltung in die Tutorien hinein kein Problem darstellt, fiel auf, dass die Rückbindung der in den Tutorien diskutierten Gehalte an die Plenumsveranstaltung weniger gut verlief. Im Projekt wurde deshalb das Ziel verfolgt, die Kommunikation in dieser Richtung mit Hilfe des Einsatzes von OLAT zu verbessern. Dazu wurden in den Tutorien Aufgaben gestellt, deren Beantwortung mittels des „Foren“-Menüs in OLAT hinterlegt wurde. Dem Seminarleiter wurden durch diese Rückmeldung aus den Tutorien Verständnisschwierigkeiten und Nachfragen zugänglich, auf die er in der nächsten Plenumssitzung direkt reagieren konnte.

Beide Zusatzangebote wurden von den Studierenden – obwohl mit zusätzlicher Arbeit für sie verbunden – gut bis sehr gut aufgenommen. Insbesondere die Zusatztexte wurden als gute Ergänzung zu den oft beispielarmen theoretischen Texten empfunden. Kritisch angemerkt wurde lediglich, dass nicht auf alle der im Forum gestellten Anfragen in der folgenden Plenumssitzung eingegangen werden konnte – eine Restriktion, die aufgrund der Zeitlimitierung der Plenumssitzungen unvermeidlich war.

Durch die Kombination der bereits existierenden E-Learning-Elemente (Datenbank für Seminarmaterialien und -texte, Selbsttests) mit den in diesem Projekt erarbeiteten Angeboten liegt nunmehr eine Einführung in die allgemeine Wissenschaftstheorie im Blended-Learning-Format vor, die im BA-Curriculum des Philosophischen Seminars Hamburg auch zukünftig regelmäßig durchgeführt werden wird.

Dr. Martin Hoffman, Universität Hamburg

Siehe auch den Kurzartikel: „OLAT – zur Unterstützung eines Tutorialseminars zu Grundlagen der Wissenschaftstheorie“ in der in Kürze erscheinenden 7. Ausgabe des Hamburger eLearning-Magazins.



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