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Blended Learning @ FB7

Der Werkzeugkasten der Abteilung Philosophie an der Uni Bielefeld

24. August 2012 | von C. Wenzel

Auf die Idee eines ‘Werkzeugkastens’ für die (hier: philosophische) Lehre sind wir über Oliver Schliemanns Beitrag zum Wettbewerb UniGestalten gestoßen. Wir danken ihm ganz herzlich, dass er uns diesen Ansatz in unserem Blog eigens kurz vorstellt:

Auch die Lehre ist ein Platz, um Neues auszuprobieren: Neue Themen, neue Texte, neue Lehrformen. Allerdings bedeuten neue Veranstaltungen erstens mehr Vorbereitungsaufwand für die Lehrenden und sind zweitens einem höheren Risiko ausgesetzt, „in die Hose zu gehen“: Manche Themen, Texte oder Lehrformen mögen gut gedacht sein, funktionieren aber einfach nicht in der Praxis. Dabei lassen sich beide Probleme minimieren, wenn man auf die Erfahrung von Kollegen zurückgreift. Mit dem sogenannten ‚Werkzeugkasten‘ versucht die Abteilung Philosophie der Universität Bielefeld, sich ihre gesammelte Lehrerfahrung systematisch selber zugänglich zu machen. Was bisher allenfalls im persönlichen Austausch unter Kollegen stattfand, wird in einer Onlinedatenbank, dem ‚Werkzeugkasten‘, allen Kollegen zur Verfügung gestellt. Der Bielefelder ‚Werkzeugkasten‘ ist offen für die unterschiedlichsten Erfahrungen von Dozenten. Gesammelt werden Seminarpläne, Handreichungen zur Anfertigung von Referaten, Essays und Hausarbeiten, Vorlagen für praktische Übungen, Klausuren und Evaluationen sowie Erfahrungsberichte zu Veranstaltungen und Übungsformen oder Kommentierungen von Seminarplänen.

Zurzeit befindet sich der ‚Werkzeugkasten‘ im Aufbau und ist vor allem auf die übungsintensiven Veranstaltungen im Rahmen des Projekts Handwerk Philosophie ausgerichtet. In diesen Veranstaltungen zum gezielten Training von Textverständnis, Hausarbeitenschreiben und Explorativ Forschen Lernen werden grundlegende philosophische Kompetenzen mithilfe innovativer Lehrformen und in intensiv betreuten Teilschritten gelehrt. Der ‚Werkzeugkasten‘ dient dabei speziell der Weiterentwicklung dieser neuen Lehr- und Lernmethoden durch konstruktiven und evaluativen Austausch unter den Lehrenden. Er wendet sich insbesondere (aber nicht nur!) an Kollegen, die neu an die Abteilung kommen. Den verschiedenen Veranstaltungstypen dieses Projekts sind über die Formulierung konkreter Lernziele an einen gewissen formellen Rahmen gebunden. Die meisten Kollegen, die nach Bielefeld kommen, sind mit Veranstaltungen dieser Art eher nicht vertraut, nicht zuletzt weil die Bielefelder Philosophie mit der Integration solcher Kurse in den Lehrplan deutschlandweit eine gewisse Vorreiterrolle in diesem Bereich der philosophischen Schreibdidaktik an der Hochschule beanspruchen darf. Der ‚Werkzeugkasten‘ bietet hier also insbesondere neuen Kollegen eine Möglichkeit, sich überhaupt mit dem Format der Kurse zum Philosophischen Schreiben bekannt zu machen. Er bietet aber vor allem auch Vorschläge, wie die durch den Rahmen gesetzten Lernziele erfolgreich umgesetzt werden können, und zwar in Form von Übungsaufgaben, Erfahrungsberichten usw. Besonders hilfreich wurden bisher vor allem die (in einigen Fällen sogar kommentierten) Seminarpläne empfunden.

Technisch wird derzeit nach einer benutzerfreundlichen Umsetzung gesucht, die im Rahmen der Umgestaltung der Website des Projekts Handwerk Philosophie entwickelt werden soll. Diese Lösung sollte den Nutzer erstens über eine Verschlagwortung und entsprechende Suchfunktion leicht und intuitiv zum Ziel führen, ja, bestenfalls zum Stöbern einladen. Sie sollte zweitens leicht zu pflegen und drittens auch von außerhalb der Universität und passwortgeschützt zugänglich sein.  Wenigstens bis eine gute technische Lösung gefunden ist, findet der Erfahrungsaustausch über die ‚Handwerkskurse‘ zurzeit etwa einmal im Semester in einer eigens dafür angesetzten Sitzung statt und wird sehr gut an- und aufgenommen. Es kommt in der Zukunft darauf an, diesen produktiven Austausch auch im ‚Werkzeugkasten‘ angemessen zu dokumentieren und zugänglich zu machen.

Der ‚Werkzeugkasten‘ ist in seiner Brauchbarkeit natürlich weder eingeschränkt auf Kurse zum Philosophischen Schreiben noch auf die Philosophie überhaupt, sondern kann Lehrenden für jede Art von Seminar nützlich sein. Auch muss so eine Plattform nicht auf ein einzelnes Institut beschränkt sein. Im Rahmen einer beginnenden Kooperation mit der Schreibwerkstatt des Philosophischen Seminars der Universität Münster gibt es bereits Überlegungen zu einer möglichen gemeinsamen Nutzung des ‚Werkzeugkastens‘. Im ganz großen Maßstab könnte man sich so ein Online-Repository auch als ein Web of Academic Teaching vorstellen, einer Erfahrungstauschbörse für die Hochschullehre über alle Fächer und Universitäten Deutschlands hinweg.



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